Punkt, Punkt, Punkt #7 – Heimat ♥

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Punkt, Punkt, Punkt #7 Heimat

In der 7. Woche Punkt, Punkt, Punkt ist Heimat das Thema. Ich habe überlegt, ob ich euch einen bestimmten Teil unserer kleinen Stadt zeige und dazu etwas erkläre, oder einen längeren Abschnitt dazu schreibe, was Heimat ist.

Es gibt außer meiner Heimat, der Stadt Raunheim, mit der ich schon immer verbunden bin, auch noch so etwas wie Heimat(chen). Orte, an die ich immer wieder gerne zurückkehre, weil ich die Stadt liebe und/oder sehr gute Freunde dort habe. Hier wären Berlin, Hamburg, Köln und Fort Lauderdale am Start gewesen.

Letztendlich habe ich mich entschieden, euch eine bunte Galerie aus Bildern von Raunheim ein Stück der Stadt zu zeigen, die meine Heimat ist.

Gemäß den Worten eines unbekannten Verfassers:

Der Mensch braucht ein Plätzchen
Und wär’s noch so klein
Von dem er kann sagen
Sieh! Dieses ist mein
Hier leb‘ ich, hier lieb‘ ich,
hier ruh‘ ich mich aus
Hier ist meine Heimat
Hier bin ich zuhaus.

habe ich die unterschiedlichsten Fotos ausgewählt, die ich im Laufe der letzten Jahre hier in Raunheim gemacht habe. Manche hat auch mein Wolfgang geknipst, aber ich darf auch sie zeigen. Ein bunter Mix aus Fotos, die man überall machen kann und solchen, die hier und einmalig sind. Ich hoffe, ihr habt die Muse euch alle kurz anzuschauen.

Einige Infos mehr über Raunheim gab ich euch bereits im Beitrag Zeigt mir eure Stadt und in Sei Reise-führer für deine Stadt.

Was ist für euch Heimat, dort wo ihr jetzt seid? Wo ihr geboren wurdet, oder wohin es euch immer wieder zieht? Diese Woche bin ich besonders gespannt auf eure Beiträge, denn ich denke, man kann viel voneinander erfahren. Vermutlich komme ich aber erst gegen Abend bei euren Beiträgen vorbei, weil der Sonntag ausgebucht ist. Bis später und schönen Valentinstag, falls er für euch relevant ist.

Iris / … Punkt, Punkt, Punkt #7 – Heimat

Punkt Punkt Punkt2.2Heute will Sunny bei Punkt, Punkt, Punkt unsere Bilder und Gedanken zum Thema „Heimat“ sehen. Dazu habe ich ernsthaft überlegt, ob ich überhaupt ein Bild posten werde, denn Heimat kann eigentlich überall sein und wird landläufig als der Ort oder die Gegend definiert, aus dem/der man stammt. Dabei ist es eigentlich unwichtig, wie der Ort heißt und wo er liegt, denn man kann ihn ja ohnehin nicht aussuchen.

Wichtiger als die Geografie dieses Ortes scheinen mir die Gefühle zu sein, die man damit verbindet. Schön wäre es ja, wenn man diesen Ort stets positiv im Herzen trägt, auch wenn man sein Zuhause inzwischen ganz woanders hat. Ich bin mir auch recht sicher, dass viele Menschen eher positive Gefühle bei der Heimat haben, selbst wenn sie diese mit unguten Gefühlen und unter negativen Umständen verlassen haben – manchmal freiwillig, oft auch unfreiwillig. Mir tun dabei die Menschen leid, die so gar keine positiven Gefühle aufbringen können, wenn sie an ihre Heimat denken.

Als ich jünger war, hatte ich oft sehr wenig Verständnis für den Heimatkult, den Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten gepflegt haben. Für mich passte es nicht, dass sie im heutigen Deutschland ein prima Leben führen und dennoch ihrer heute oft darniederliegenden Heimat hinterhertrauern und dabei schlecht über die jetzt dort Lebenden und den Ort in seiner heutigen Gestalt reden. Wahrscheinlich liegt mein Unverständnis daran, dass ich selbst nie meine Heimat wirklich aufgegeben oder verlassen habe/musste. Es war ja auch nie nötig oder von mir gewünscht, hat sich nicht so ergeben und ich lebe heute noch immer ganz in der Nähe von dort, wo ich meine ersten Lebenserinnerungen aus dem Alter von ca. 4 Jahren habe, und zwar in

HeimatGanz bewusst setze ich hier den Bezirk, oder besser gesagt den Ortsteil des Bezirks, an die erste Stelle und nenne nicht Berlin als meine Heimat. Denn Berlin ist nur der Rahmen für meinen Kiez, meine Heimat, und hat mit dem Ortsteil nicht viel gemeinsam. Viele Leute können kaum glauben, dass sie in einer Millionenstadt sind, wenn sie mich im sog. „Grünen Bezirk“ besuchen. Aber es ist eben dann doch nicht Kleinstadt oder gar Dorf. Weg will ich hier nur sehr ungern.

Heimat ist sowas wie Familie. Man kann sie sich eigentlich nicht aussuchen. Das Zuhause würde ich dagegen mit Freunden vergleichen, die man sich sehr wohl aussuchen kann und die darum oft viel echter und wertvoller als Familie sind. Darum bin ich sehr froh, dass mein Zuhause zugleich meine Heimat ist und umgekehrt.

David Bowie – Künstler der besonderen Art – Teil II

Heroes

Im zweiten Teil von David Bowie – Künstler der besonderen Art geht es hauptsächlich um seine Zeit in Berlin. Die Zeit, in der er mit dem Song Heroes und seinem extra für den Film nachgestellten Konzert in mein Leben trat. Im zarten Alter von 12 Jahren wollte ich wissen, wer ist dieser Mann, der die Gruppe um Christiane F. so faszinierte, und entdeckte einen Künstler der besonderen Art.

David Bowie Hauptstraße 155, in Schöneberg

Ab 1976 lebte David Bowie gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Iggy Pop in Berlin Schöneberg. Beide Künstler hatten hier nicht nur das Ziel musikalisch voranzukommen, sondern auch ihre Kokainsucht in den Griff zu bekommen. Bevor Bowie die Sieben-Zimmer-Wohnung im ersten Stock über dem Autoladen im Auftrag in der Hauptstraße 155 renovieren ließ, wohnte er eine Zeitlang bei seinem Freund Edgar Froese (Tangerine Dreams). Hier machte er einen kalten Drogenentzug und blieb, bis die Renovierungsarbeiten beendet waren.
Die Hausbesitzerin Rosa Morath wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wer in die Wohnung einziehen würde. Zusammen mit Iggy Pop bezog er im Herbst die Wohnung, deren Wände nun wieder in Weiß erstrahlten und nicht mehr viel mit der Kommune mit den verdunkelten Fenstern gemein hat, die sie im Jahr zuvor gewesen war.  Siehe auch Als Major Tom in Schöneberg lebte (Tagesspiegel).

David Bowie ist in dieser Zeit künstlerisch sehr aktiv. Das „Berliner Trio“ mit den Alben Low, Heroes und Lodger entsteht.

Das Album Low, das Anfang 1977 veröffentlicht wird, unterscheidet sich musikalisch so sehr von seinen vorherigen Werken, das RCA zunächst die Veröffentlichung hinauszögert. In Zusammenarbeit mit Brian Eno ( u.a. Roxy Music) experimentiert Bowie mit düsteren Klängen, elektronischen Instrumenten wie dem Minimog und Synthesizer sowie entfremdetem Schlagzeug und Gitarre. Damit seiner Zeit weit voraus, und wurde Trendsetter für eine „neue“ Art Musik. Der Musikproduzent Tony Visconti wirkte bei allen drei Alben ebenfalls mit.

Heroes (ebenfalls 1977 veröffentlicht) bildete den Mittelteil der „Berliner Trilogie“ und wurde als Einziges der drei Alben komplett in Berlin aufgenommen. Das Lied Heroes aus dem gleichnamigen Album erreichte bei Veröffentlichung lediglich Platz 40 der UK-Charts, wurde jedoch 1981 mit dem Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhofzoo einem breiten Publikum zugänglich. Hier möchte ich es auch nicht versäumen einen Teil des Textes im Original und übersetzt einzufügen:

I, I can remember (I remember)
And the guns shot above our heads
(over our heads)
And we kissed
as though nothing could fall
(nothing could fall)
And the shame was on the other side
Oh we can beat them, for ever and ever
Then we could be Heroes
just for one day

Ich, ich kann mich erinnern (Ich erinnere mich)
Wie wir an der Mauer standen (An der Mauer)
Und die Pistolen, sie schossen über unsere Köpfe (über unsere Köpfe)
Und wir küssten uns, als ob nichts fallen könnte (nichts fallen könnte)
Und die Schande war auf der anderen Seite
Oh, wir können sie schlagen, für immer und ewig
Dann könnten wir Helden sein, nur für einen Tag

Quelle Songtexte.com

Die LP Lodge wurde in Montreux und New York aufgenommen und produziert, weshalb sie nur thematisch zur „Berliner Trilogie“ gehört und nicht zur Zeit Bowie in Berlin gehört. Einige Worte zu diesem Album werde ich im nächsten Teil schreiben.

Kommen wir zurück zu seiner  Zeit in Berlin. Ich möchte euch noch ein paar interessante und witzige Anekdoten erzählen und Link-Tipps zu Interviews aus dieser Zeit verbreiten.

Der Punkmusiker Iggy Pop lebte nur eine kurze Zeit mit Bowie in der 7-Zimmer-Wohnung und zog dann ins Hinterhaus der Hauptstraße 155. Eine der Gründe dafür war, dass er David Bowie ständig der Kühlschrank (im KaDeWe erstanden) leer fraß.

In Berlin war Bowie so gut wie pleite, er hatte sein zuvor angehäuftes Vermögen verprasst, bevor er in die heutige Hauptstadt kam. Er kam, weil er endlich mal wieder entspannen wollte und die Anonymität in Straßencafés sehr schätze. Hier konnte er ein „normales“ Leben führen. Gerne besuchte er das Exil in Kreuzberg und den Dschungel in der Nürnberger Straße.  Dort erinnert es sich auch Jahre später noch sehr genau an zwei Männer, die immer als Chirurgen verkleidet auftraten.

Schaut euch das Interview mit ihm auf dem Tagesspiegel an. Ebenfalls sehr empfehlenswert und anlässlich seines Todes bereits in coole Blogbeiträge erwähnt ist ein 53-minütiges Hörspielfeature auf WDR mit dem Titel: „Ich hab mich nie wieder so frei gefühlt“ – David Bowie in Berlin. Mit dem Interview mit Guido Hoffmann, einem eingefleischten Bowie-Fan auf SWR, der ebenfalls mit Heroes zu David Bowie kam, verabschiede ich mich für Teil II.